Ich nutze den größten Marktplatz der Welt, Amazon, um von ihm selbst unabhängig zu werden.
Ein Essay über die Infrastruktur, die der E-Commerce für den Agentic Commerce braucht — und warum kaum jemand sie hat.
Der E-Commerce diskutiert seit Monaten über den Agentic Commerce. Über KI-Agenten, die künftig im Auftrag des Käufers entscheiden, welche Marke, welches Produkt überhaupt vorgeschlagen wird. Über Amazon Rufus, über das Universal Commerce Protocol, über die Frage, wie man in dieser neuen Welt noch sichtbar bleibt. Was ich in all diesen Diskussionen vermisse, ist eine konkrete Antwort auf die eigentliche Frage: Wie stellt sich ein Unternehmen tatsächlich so auf, dass es diesen Übergang übersteht — und nicht nur darüber redet?
Ich arbeite seit vierzehn Jahren operativ im Amazon Seller Central, im täglichen Deep Dive. Ich kenne beide Seiten dieses Geschäfts: die enorme Reichweite, die eine Plattform wie Amazon einer Marke gibt, und die ebenso enorme Abhängigkeit, in die sie jede Marke führt. Aus dieser Erfahrung heraus habe ich mir zunächst kein Konzept und keine Theorie gebaut, sondern ein Werkzeug: meine Operation AI, Smart Scale® beta, eine Infrastruktur für Amazon Performance Marketing, End-to-End. Entwickelt habe ich es für mich selbst, für meine tägliche Arbeit.
Und genau während dieser Entwicklung ist mir etwas klar geworden, das den eigentlichen Kern dieses Essays ausmacht.
Die Erkenntnis: Die Infrastruktur ist die Basis, nicht der Agent
Der gesamte Markt spricht über Agenten. Über Automatisierung, über KI, die Aufgaben übernimmt. Aber die meisten, die heute Agenten einsetzen wollen, wissen nicht einmal, was ein LLM ist — und wollen trotzdem schon Agenten darauf aufsetzen.
Das ist der entscheidende Denkfehler. Und er lässt sich einfach beschreiben: Man kann eine neue Technologie, die flexibel, agil und extrem schnell ist, nicht auf eine bestehende Struktur setzen, die genau das Gegenteil ist. Die meisten Unternehmen arbeiten heute mit einem gewachsenen Gebilde aus starren Systemen, getrennten Silos und einzelnen Tools, die nicht miteinander sprechen. Auf dieses starre Fundament eine agile, lebendige Technologie aufzusetzen, kann nicht funktionieren.
Genau deshalb habe ich keine weitere Automatisierungsschicht gebaut, sondern eine Infrastruktur. Eine Operation AI, die nicht starr ist, sondern mitwächst — egal wohin sich der Markt verschiebt. Denn wohin genau er sich verschiebt, wissen wir alle nicht mit Sicherheit. Aber die Richtung, die der Agentic Commerce und die strategische Ausrichtung der großen Konzerne vorgeben, ist deutlich genug, um sie ernst zu nehmen.
Warum die meisten an genau diesem Punkt scheitern
Was ich hier beschreibe, ist keine reine Einzelmeinung. Es deckt sich mit dem, was aktuelle Studien zur KI-Transformation im Mittelstand durchgehend zeigen: Es scheitert selten an der Technologie selbst, sondern an der fehlenden Grundlage darunter.
Laut einem Gastbeitrag von DXC-Technology-Experten auf Handelsblatt Live scheitern 94 Prozent der KI-Projekte in der Umsetzung — bei einer globalen Studie mit 2.496 Unternehmen, meist aus strukturellen, nicht technischen Gründen. Eine Untersuchung auf exponentiellerwandel.de zeigt: 85 Prozent der KMU-Entscheider in Deutschland nutzen KI in irgendeiner Form, aber nur 9,5 Prozent haben sie vollständig implementiert, und 68 Prozent haben keine ausgearbeitete Roadmap. Laut der Studie "KI in Deutschland – Status quo, Hemmnisse und Erfolgsfaktoren im Mittelstand" (KI-Toolsuite, Februar 2026) haben 76 Prozent der KMU erhebliche Defizite bei der Datenqualität.
Das ist die Lücke, über die kaum jemand spricht. Alle reden über die Agenten, die oben aufsitzen sollen. Kaum jemand über das Fundament, das sie überhaupt erst tragen müsste.
Die Umkehrung: Amazon als Türöffner in die Unabhängigkeit
Aus dieser Erkenntnis heraus habe ich meine Konsequenz gezogen — und sie ist das Gegenteil dessen, was die meisten erwarten. Die naheliegende Reaktion auf die Amazon-Abhängigkeit wäre der Ausstieg. Ich habe den umgekehrten Weg gewählt.
Ich nutze Amazon, um von Amazon unabhängig zu werden. Der Marktplatz, der eine Marke jahrelang abhängig gemacht hat, wird auf meiner Infrastruktur zur Grundlage ihrer Unabhängigkeit. Er arbeitet zum ersten Mal für die Marke, statt umgekehrt. Wie genau das funktioniert, ist der Kern dessen, woran ich täglich arbeite — aber das Prinzip lässt sich klar benennen: Aus Abhängigkeit wird Unabhängigkeit, weil die Substanz des Geschäfts nicht mehr nur auf der Plattform liegt, sondern in einer eigenen, maschinenlesbaren Infrastruktur, die der Marke gehört.
Meine Antwort auf die Agenten-Frage: eigene Agenten
Und hier schließt sich der Kreis zum Agentic Commerce. Die Frage, die im Markt herumgeht, lautet: Wie mache ich mich sichtbar für die Einkaufs-Agenten, die künftig bei mir kaufen sollen?
Meine Antwort ist eine andere. Ich mache mich nicht abhängig von den Agenten, die da draußen entstehen. Ich stelle meinen eigenen Agenten dagegen.
Auf Grundlage meiner Infrastruktur entwickle ich jetzt genau das: eigene Agenten für meine Partnermarken, einen digitalen Zwilling meiner selbst, einen ganzen Agenten-Stack. Ein Markenagent zum Beispiel, der auf der Infrastruktur steht, der auf einer Single Source of Truth aufsetzt — genau das, was Agenten brauchen, um verlässlich zu arbeiten. Eine Struktur, in der semantische Ankerpunkte überall gesetzt sind, sodass ein Agent die Marke nicht nur lesen, sondern verstehen und vertreten kann.
Das ist der Unterschied zwischen Abwarten und Handeln. Wer keine eigene Infrastruktur hat, ist den Agenten des Marktes ausgeliefert. Wer eine hat, tritt ihnen auf Augenhöhe entgegen — mit einem eigenen Agenten, der die Marke souverän vertritt.
Datensouveränität als Grundprinzip
Es gibt einen Punkt, der mir in diesem ganzen Zusammenhang der wichtigste ist. Meine Infrastruktur ist so gebaut, dass die Daten in kein Training öffentlicher KI-Modelle fließen. Das ist keine technische Randnotiz, sondern eine Grundentscheidung.
Wissen und Daten — die einer Marke, eines Unternehmens, eines Menschen — gehören dorthin, wo sie entstanden sind. Nicht kostenlos in die Modelle der großen Konzerne, die damit immer stärker werden, während derjenige, der dieses Wissen über Jahre aufgebaut hat, am Ende nichts davon zurückbekommt. Souveränität bedeutet für mich genau das: die Kontrolle über das eigene Wissen zu behalten.
Wohin das führt
Woran ich arbeite, ist ein Team aus Agenten, das Performance Marketing End-to-End führt — orchestriert von mir als Human in the Loop. Mein Unternehmen skaliert damit über Agenten, nicht über Köpfe. Und meine Partnermarken bleiben dabei zu hundert Prozent souverän, unabhängig davon, wohin sich der Markt am Ende bewegt.
Das ist für mich die eigentliche Lösung für den Übergang vom E-Commerce zum Agentic Commerce: nicht eine weitere Automatisierung auf einem starren Fundament, sondern eine agile Infrastruktur, die von Anfang an für diese neue Ära gebaut ist. Erst die Infrastruktur. Dann die Agenten. Nie umgekehrt.
🏗️ Once built. Scale infinite.
Anke Vieten
Sovereign Infrastructure Architect | Smart Scale®beta — spezialisierte KI-Infrastruktur für E-Commerce & Amazon Performance Marketing
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Transparenzhinweis: Strategisch konzipiert und finalisiert von Anke Vieten. Erstellt mit Unterstützung von KI.
Diese Folge steht hier unverändert so, wie sie am 20. Juli 2026 veröffentlicht wurde. Begriffe und Stand haben sich seitdem weiterentwickelt. Was heute gilt, steht unter Begriffe. Neue Folgen gibt es im Newsletter ME and K-(AI) auf LinkedIn.